Im Auge des Betrachters mag das zunächst lächerlich und unglaubwürdig sein. Allerdings entspricht diese Konstellation in „Gaston“ ziemlich genau der Definition dessen, was landläufig als Ironie bezeichnet wird: Etwas unter dem Schein der eigenen Billigung lächerlich machen. Die Frage ist, und da schwingt sich Franquin zu einem Genie erster Güte auf, wer hier eigentlich wen lächerlich macht? Denn kann es am Ende, entgegen aller Sympathiebekundungen seitens der Leser, nicht doch Gaston sein, der hier als tragischer Protagonist der Lächerlichkeit preisgegeben wird?
Ist Gaston vielleicht nur das Überdruckventil, der repräsentative Dampfablasser für alle anderen Figuren und den Leser selbst? Eine Art Projektionsfläche für Wunschträume? So gesehen dient seine Existenz vielleicht nur der Stabilisierung gesellschaftlicher Ordnung und zielt nicht auf Veränderung ab. In der Regel ist auch mit dem Aufschlagen einer neuen Seite der Urzustand wiederhergestellt. Meist handelt es sich ja nur um kurze Comic-Strips; das sind eben die Erfordernisse einer Serie. Figuren und Welt dürfen sich in ihr nur partiell verändern, die Strapazierfähigkeit des Lesers ist begrenzt. Aber auch wenn sich kritische Untertöne im Laufe der Jahre immer schärfer in die „Gaston“-Strips eingeschmuggelt haben, hat Franquin eine Sache nicht vergessen: „Gaston“ ist zu keiner Zeit ein politisches Pamphlet gewesen, sondern gut durchdachte und intelligente Unterhaltung für Kinder und Erwachsene.
In deutscher Übersetzung erscheint „Gaston“ bei Carlsen Comics – zum Beispiel die 19-bändige Gesamtausgabe (Preis für die 48 Seiten im Softcover: Euro 9,95 pro Band).
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